Wer einen WordPress-Blog starten möchte, braucht irgendwann einen Hosting-Anbieter.
Und damit beginnt ein erstaunlich unübersichtlicher Markt.
10 GB oder 100 GB Speicher? Ein oder fünf WordPress-Projekte? Managed WordPress? NVMe? 50 Datenbanken? Kostenloses SSL? PHP Memory Limit? Automatische Backups?
Dazu kommen Aktionspreise, die nach zwölf Monaten plötzlich ganz anders aussehen.
Für einen normalen WordPress-Blog sind viele dieser Zahlen weniger wichtig, als die Werbung vermuten lässt.
Schauen wir deshalb darauf, was ein gutes WordPress-Hosting tatsächlich leisten sollte.

Für einen WordPress-Blog sind nicht möglichst große Zahlen entscheidend. Wichtiger sind eine aktuelle technische Plattform, HTTPS, zuverlässige Backups, ausreichende Performance und ein brauchbarer Support.
Was macht ein Hosting-Anbieter überhaupt?#
Eine Domain allein reicht nicht aus, um WordPress zu betreiben.
Die Anwendung benötigt einen Server, auf dem PHP ausgeführt wird und auf dem die WordPress-Dateien liegen. Zusätzlich benötigt WordPress eine Datenbank.
Vereinfacht:
Besucher
│
▼
Domain
│
▼
Webserver
│
├── WordPress
│ │
│ ▼
│ PHP
│
▼
Datenbank
Der Hosting-Anbieter stellt diese Infrastruktur bereit und kümmert sich beim klassischen Webhosting auch um wesentliche Teile des Serverbetriebs.
Wer noch ganz am Anfang steht, findet die komplette Grundausstattung in WordPress-Blog erstellen: Was brauche ich wirklich?.
Shared Hosting reicht meistens#
Bei Shared Hosting teilen sich mehrere Kunden einen Server beziehungsweise dessen Ressourcen.
Das klingt zunächst nach einer schlechten Lösung.
Für kleine und mittlere WordPress-Websites ist es aber häufig genau die richtige.
Der Anbieter kümmert sich um:
- Betriebssystem
- Webserver
- PHP
- Datenbankserver
- grundlegende Serverwartung
- Netzwerk
- Hardware
Wir kümmern uns hauptsächlich um WordPress.
Ein eigener virtueller oder dedizierter Server bietet mehr Kontrolle, bringt aber auch mehr Verantwortung mit sich.
Für einen neuen Blog würde ich deshalb nicht mit einem eigenen Server beginnen, sofern es dafür keinen konkreten technischen Grund gibt.
1. Aktuelle PHP-Versionen#
WordPress wird in PHP geschrieben.
Deshalb ist die PHP-Umgebung des Hosters unmittelbar relevant.
Ein guter Anbieter sollte aktuelle unterstützte PHP-Versionen zeitnah bereitstellen und einen einfachen Wechsel ermöglichen.
Im Kundenbereich sollte sich beispielsweise auswählen lassen:
PHP 8.x
│
├── Website A
└── Website B
Problematisch sind Hosting-Angebote, die lange auf veralteten PHP-Versionen hängen bleiben.
Das betrifft nicht nur Performance, sondern langfristig auch Sicherheit und Kompatibilität.
2. PHP Memory Limit#
Eine Zahl, die bei WordPress tatsächlich relevant werden kann, ist das PHP Memory Limit.
Es begrenzt, wie viel Arbeitsspeicher ein einzelner PHP-Prozess verwenden darf.
Ein sehr knappes Limit kann bei größeren Plugins, Importen, Backups oder komplexeren Administrationsaufgaben Probleme verursachen.
Mehr ist allerdings nicht automatisch besser.
Ein normaler Blog benötigt keine absurd hohen Speichergrenzen.
Wichtiger ist, dass der Hoster vernünftige Werte bereitstellt und bei Bedarf Anpassungen ermöglicht.
3. MySQL oder MariaDB#
WordPress speichert einen großen Teil seiner Daten in einer relationalen Datenbank.
Dazu gehören beispielsweise:
- Artikel
- Seiten
- Benutzer
- Kommentare
- Einstellungen
- Plugin-Daten
Der Hosting-Anbieter sollte eine aktuelle unterstützte MySQL- oder MariaDB-Version bereitstellen.
Für den normalen Betrieb muss man die Datenbank kaum direkt anfassen.
Trotzdem ist es hilfreich, wenn der Anbieter einen Datenbankzugriff beispielsweise über phpMyAdmin oder ein vergleichbares Werkzeug ermöglicht.
4. HTTPS ohne Aufpreis#
HTTPS sollte bei einem modernen Hosting-Angebot selbstverständlich sein.
Ein Zertifikat sorgt dafür, dass die Verbindung zwischen Besucher und Website verschlüsselt wird.
Browser
│
│ HTTPS
▼
Webserver
Kostenlose Zertifikate lassen sich beispielsweise über Let’s Encrypt automatisiert bereitstellen.
Für einen normalen WordPress-Blog würde ich keinen Anbieter wählen, der für ein einfaches HTTPS-Zertifikat einen nennenswerten jährlichen Aufpreis verlangt.
5. Backups sind wichtiger als riesiger Speicherplatz#
100 GB Webspace sehen in einer Vergleichstabelle beeindruckend aus.
Ein typischer Blog benötigt davon möglicherweise jahrelang nur einen kleinen Teil.
Eine wesentlich wichtigere Frage lautet:
Wie funktionieren die Backups?
Interessant sind:
- Wie oft wird gesichert?
- Wie lange werden Sicherungen aufbewahrt?
- Werden Dateien und Datenbank gesichert?
- Kann ich selbst eine Wiederherstellung starten?
- Kostet eine Wiederherstellung zusätzlich?
- Gibt es mehrere Wiederherstellungspunkte?

Ein gutes Hosting-Backup besteht nicht nur aus einer Sicherung. Mehrere zeitlich getrennte Wiederherstellungspunkte machen es möglich, auch auf einen Zustand vor einem erst später bemerkten Fehler zurückzugehen.
Ein Backup von gestern hilft beispielsweise wenig, wenn ein Problem bereits seit einer Woche unbemerkt besteht.
Für wichtige Websites ist zusätzlich ein Backup sinnvoll, das nicht ausschließlich beim selben Hosting-Anbieter liegt.
6. Speicherplatz realistisch bewerten#
WordPress selbst benötigt vergleichsweise wenig Speicher.
Der größte Speicherverbrauch entsteht bei vielen Blogs durch:
Bilder
+
Videos
+
Backups
+
sonstige Uploads
Videos würde ich normalerweise ohnehin nicht direkt auf einem klassischen Webhosting speichern und ausliefern.
Für einen normalen text- und bildbasierten Blog reichen deshalb oft deutlich kleinere Hosting-Pakete, als Marketingtabellen vermuten lassen.
Wichtiger als die absolute Größe ist die Frage, ob der Tarif später unkompliziert erweitert werden kann.
7. NVMe und SSD#
Viele Anbieter werben inzwischen mit SSD- oder NVMe-Speicher.
Das ist grundsätzlich sinnvoll.
Schneller Speicher kann insbesondere bei vielen Zugriffen und Datenbankoperationen Vorteile bringen.
Aber:
NVMe ≠ automatisch schnelle Website
Die Geschwindigkeit einer WordPress-Seite hängt von mehreren Faktoren ab:
Server
│
├── CPU
├── RAM
├── Storage
├── Datenbank
└── Netzwerk
WordPress
│
├── Theme
├── Plugins
├── Bilder
├── externe Dienste
└── Caching
Ein einzelnes technisches Schlagwort sagt deshalb wenig über die tatsächliche Performance aus.
Wie wir WordPress sinnvoll messen, zeigen wir in WordPress schneller machen: Was wirklich etwas bringt.
8. Serverstandort#
Für eine hauptsächlich deutsche Zielgruppe ist ein Hosting-Standort in Deutschland oder zumindest innerhalb der EU häufig naheliegend.
Dabei spielen sowohl technische als auch datenschutzrechtliche Überlegungen eine Rolle.
Die Entfernung zum Server beeinflusst grundsätzlich auch die Netzwerklatenz.
Für eine typische deutsche WordPress-Seite muss der Server deshalb nicht auf einem anderen Kontinent stehen.
Der Serverstandort allein macht einen Anbieter allerdings weder schnell noch datenschutzkonform.
Er ist nur ein Teil des Gesamtbildes.
9. E-Mail inklusive oder getrennt?#
Viele klassische Hosting-Pakete enthalten E-Mail-Postfächer.
Damit lässt sich beispielsweise eine Adresse wie:
kontakt@meinblog.de
einrichten.
Für einen kleinen Blog ist das praktisch und meistens vollkommen ausreichend.
Bei größeren Projekten kann es sinnvoll sein, Website und E-Mail technisch voneinander zu trennen.
Für den Einstieg würde ich daraus aber keine Wissenschaft machen.
Wenn der Hoster vernünftige E-Mail-Postfächer bereitstellt, kann man sie zunächst verwenden.
10. Eine WordPress-Installation mit einem Klick#
Eine automatische WordPress-Installation ist bequem.
Sie sollte aber nicht das wichtigste Kriterium für die Wahl eines Hosters sein.
WordPress lässt sich auch manuell installieren.
Viel wichtiger ist, was wir nach der Installation mit der Website machen können.
Ein gutes Hosting sollte uns nicht unnötig einschränken.
Den Unterschied zwischen beiden Installationswegen erklären wir ausführlich in WordPress installieren: Manuell oder per 1-Klick-Installation?.
11. Zugriff auf Dateien und Datenbank#
Auch wenn man diese Möglichkeiten am Anfang kaum benötigt, würde ich darauf achten, dass ein Hosting nicht vollständig abgeschlossen ist.
Sinnvoll sind beispielsweise:
- SFTP-Zugang
- Dateimanager
- Datenbankzugriff
- DNS-Verwaltung
- PHP-Einstellungen
- Cronjobs
Warum?
Weil diese Werkzeuge spätestens dann wertvoll werden, wenn etwas nicht funktioniert oder die Website zu einem anderen Anbieter umziehen soll.
12. Staging kann später sehr praktisch werden#
Eine Staging-Umgebung ist eine Kopie der Website, auf der Änderungen getestet werden können.
Produktive Website
│
├───────────────┐
│ ▼
│ Staging-Kopie
│ │
│ Änderungen testen
│ │
▼ ▼
Besucher kein Risiko
Für einen kleinen neuen Blog ist Staging kein zwingendes Kriterium.
Sobald eine Website wichtiger wird, ist die Funktion allerdings sehr angenehm.
Updates, neue Plugins oder größere Designänderungen können dort ausprobiert werden, bevor sie auf der produktiven Website landen.
13. Support wird erst wichtig, wenn etwas kaputt ist#
Hosting-Support ist schwer anhand einer Produktseite zu beurteilen.
Fast jeder Anbieter verspricht guten Support.
Interessanter sind Fragen wie:
- Gibt es Support per E-Mail oder Ticketsystem?
- Gibt es Telefon-Support?
- Zu welchen Zeiten?
- Werden WordPress-Probleme zumindest eingeordnet?
- Gibt es eine vernünftige Dokumentation?
- Wie schnell werden technische Störungen kommuniziert?
Ein günstiger Tarif spart wenig Geld, wenn eine wichtige Website stundenlang nicht funktioniert und niemand erreichbar ist.
14. Vorsicht bei extrem günstigen Einstiegspreisen#
Ein Klassiker bei Hosting-Angeboten:
1. Jahr
1,00 € / Monat
klingt hervorragend.
Interessanter ist häufig:
ab Jahr 2
12,99 € / Monat
Der relevante Preis ist deshalb nicht nur der Aktionspreis.
Vor dem Abschluss sollte man prüfen:
- regulärer Monatspreis
- Vertragslaufzeit
- Verlängerungspreis
- Kündigungsfrist
- Domainkosten nach dem ersten Jahr
- Kosten für Zusatzleistungen

Ein niedriger Einstiegspreis sagt wenig über die langfristigen Hosting-Kosten aus. Entscheidend sind regulärer Preis, Vertragslaufzeit und enthaltene Leistungen.
Gerade bei einem Blog, der mehrere Jahre bestehen soll, ist der langfristige Preis wesentlich interessanter als ein Rabatt für die ersten Monate.
Managed WordPress oder normales Webhosting?#
Managed WordPress bedeutet grundsätzlich, dass der Anbieter einen größeren Teil des technischen Betriebs übernimmt.
Je nach Anbieter können dazu gehören:
- automatische Updates
- spezielle WordPress-Caches
- Backups
- Staging
- Sicherheitsfunktionen
- WordPress-Support
Das kann sehr angenehm sein.
Der Begriff ist allerdings nicht klar definiert.
Ein Anbieter kann ein gewöhnliches Hosting mit WordPress-Installer bereits als „Managed WordPress“ vermarkten.
Deshalb sollte man nicht den Produktnamen vergleichen, sondern die enthaltenen Leistungen.
Brauche ich einen eigenen Server?#
Für die meisten Blogs:
Nein.
Ein eigener VPS oder Root-Server gibt uns deutlich mehr Kontrolle.
Damit bekommen wir aber auch Verantwortung für Dinge wie:
- Betriebssystem-Updates
- Webserver
- PHP
- Datenbank
- Firewall
- Backups
- Monitoring
- Sicherheitsupdates
Das kann für Entwickler interessant sein.
Für jemanden, der hauptsächlich einen Blog betreiben möchte, ist es häufig unnötige Arbeit.
Der Blog wird nicht automatisch besser, nur weil darunter ein eigener Server läuft.
Unsere Hosting-Checkliste#
Bei einem neuen WordPress-Hosting würde ich mindestens diese Punkte prüfen:
[ ] aktuelle PHP-Version
[ ] MySQL oder MariaDB
[ ] HTTPS inklusive
[ ] automatische Backups
[ ] mehrere Wiederherstellungspunkte
[ ] SFTP-Zugang
[ ] Datenbankzugriff
[ ] ausreichendes PHP Memory Limit
[ ] E-Mail möglich
[ ] nachvollziehbare Verlängerungspreise
[ ] Serverstandort bekannt
[ ] Support erreichbar
[ ] Tarif später erweiterbar
Optional, aber angenehm:
[ ] Staging
[ ] integriertes Caching
[ ] SSH
[ ] Cronjobs
[ ] automatische WordPress-Updates
Was ich weniger wichtig finde#
Einige Eigenschaften sehen in Vergleichstabellen hervorragend aus, wären für mich aber keine primären Entscheidungskriterien:
- extrem viel Speicherplatz
- hunderte E-Mail-Adressen
- unbegrenzt viele Datenbanken
- möglichst viele Domains
- riesige Zahlen bei theoretischem Traffic
- ein besonders schicker WordPress-Installer
Wenn ein Blog genau diese Ressourcen benötigt, werden sie natürlich relevant.
Für einen neuen WordPress-Blog sind andere Eigenschaften wichtiger.
Wo später unsere Hosting-Empfehlung steht#
Wir werden auf WPdreams Hosting-Anbieter nicht allein anhand ihrer Affiliate-Provision empfehlen.
Bevor hier eine konkrete Empfehlung erscheint, wollen wir zumindest die für WordPress relevanten Eigenschaften prüfen.
Dazu gehören insbesondere:
WordPress-Installation
PHP
Datenbank
HTTPS
Backups
Zugriffsmöglichkeiten
Performance
Preise
Kündigung und Umzug
Sobald wir einen passenden Anbieter getestet haben, ergänzen wir an dieser Stelle unsere konkrete Empfehlung.
Nach dem Hosting kommt die Installation#
Wenn Domain und Hosting vorhanden sind, kann WordPress eingerichtet werden.
Dafür gibt es zwei typische Wege:
Hosting auswählen
↓
Domain verbinden
↓
WordPress installieren
↓
Grundeinstellungen
↓
Inhalte veröffentlichen
Als nächsten Schritt kannst du deshalb direkt mit WordPress installieren: Manuell oder per 1-Klick-Installation? weitermachen.
Danach hilft unsere Checkliste WordPress nach der Installation: Diese Einstellungen solltest du zuerst ändern.
Fazit#
Ein gutes WordPress-Hosting erkennt man nicht daran, dass in der Vergleichstabelle überall die größte Zahl steht.
Für einen normalen Blog sind einige solide Grundlagen wesentlich wichtiger:
aktuelle Technik, HTTPS, vernünftige Backups, ausreichende Performance, transparente Preise und Zugriff auf die eigene Installation.
Viele weitere Funktionen sind angenehm, aber nicht zwingend notwendig.
Und genau wie bei WordPress-Plugins gilt auch beim Hosting:
Nicht möglichst viel kaufen, sondern das auswählen, was das eigene Projekt tatsächlich benötigt.
