VPN-Anbieter werben mit mehr Sicherheit, Privatsphäre und Schutz im Internet. Wer regelmäßig an einem Blog arbeitet, könnte deshalb schnell zu dem Schluss kommen: Ein VPN gehört heute einfach dazu.
Ganz so einfach ist es nicht.
Wer seinen Blog ausschließlich zu Hause über das eigene Netzwerk verwaltet, braucht dafür normalerweise kein VPN. Wer dagegen regelmäßig unterwegs, im Hotel, im Café oder über andere fremde Netzwerke arbeitet, für den kann ein VPN durchaus sinnvoll sein.
Entscheidend ist also nicht, ob man Blogger ist, sondern wo und wie man arbeitet.
Was macht ein VPN überhaupt?#
VPN steht für Virtual Private Network. Eine VPN-Verbindung baut zwischen dem eigenen Gerät und einem VPN-Server einen verschlüsselten Tunnel auf.
Ohne VPN sieht die Verbindung vereinfacht so aus:
Notebook
│
▼
Router / WLAN
│
▼
Internet
│
▼
WordPress, E-Mail, SSH, Websites ...
Mit VPN kommt eine zusätzliche Station hinzu:
Notebook
│
│ verschlüsselter Tunnel
▼
VPN-Server
│
▼
Internet
│
▼
WordPress, E-Mail, SSH, Websites ...
Der Betreiber des lokalen Netzwerks sieht dadurch zunächst die Verbindung zum VPN-Server. Der eigentliche Internetverkehr wird durch diesen Tunnel transportiert.
Das ist vor allem dann interessant, wenn wir dem verwendeten Netzwerk nicht vollständig vertrauen.
Zu Hause brauche ich meistens kein VPN#
Beginnen wir mit dem unspektakulären Fall.
Wir sitzen zu Hause am Notebook oder PC, verwenden unseren eigenen Router und administrieren darüber unseren Blog.
WordPress läuft über HTTPS. Das Mailkonto verwendet verschlüsselte Verbindungen. SSH ist ohnehin verschlüsselt.
In diesem Szenario bringt ein kommerzielles VPN für die reine Blog-Administration meistens keinen entscheidenden Sicherheitsgewinn.
Die Verbindung zum WordPress-Server ist bereits durch HTTPS verschlüsselt:
Browser
│
│ HTTPS / TLS
▼
WordPress
Ein VPN würde lediglich noch einen zusätzlichen verschlüsselten Tunnel davor setzen.
Das kann aus anderen Gründen erwünscht sein. Für einen sicheren WordPress-Login aus dem eigenen vertrauenswürdigen Netzwerk ist es aber keine Voraussetzung.
Unterwegs sieht die Sache anders aus#
Interessanter wird es, sobald wir unser eigenes Netzwerk verlassen.
Typische Situationen für Blogger sind:
- im Hotel noch einen Artikel bearbeiten
- im Café Bilder hochladen
- im Zug Kommentare moderieren
- am Flughafen E-Mails beantworten
- im Coworking-Space am Blog arbeiten
- auf Reisen per SSH auf einen Server zugreifen
Jetzt verwenden wir ein Netzwerk, das wir selbst nicht administrieren.
Wir wissen möglicherweise nicht, wie der Access Point konfiguriert ist, welche anderen Geräte sich im Netzwerk befinden oder wer das Netzwerk tatsächlich betreibt.
Genau hier wird ein VPN interessanter.

Ein VPN baut einen verschlüsselten Tunnel zwischen dem eigenen Gerät und dem VPN-Server auf. Von dort wird die Verbindung ins Internet weitergeführt.
Aber ich habe doch HTTPS#
Richtig. Und das ist wichtig.
Eine moderne WordPress-Website sollte vollständig über HTTPS erreichbar sein. Die Kommunikation zwischen Browser und Webserver wird dadurch mit TLS verschlüsselt.
Das bedeutet beispielsweise, dass ein anderer Gast im Hotel-WLAN nicht einfach den Netzwerkverkehr mitschneiden und darin das WordPress-Passwort im Klartext finden kann.
HTTPS schützt allerdings die jeweilige Verbindung zu einem Internetdienst.
Ein VPN setzt früher an und kapselt den Netzwerkverkehr des Geräts zunächst in einem verschlüsselten Tunnel zum VPN-Anbieter.
Vereinfacht:
ohne VPN
Notebook ───── HTTPS ─────► WordPress
mit VPN
Notebook ═══ VPN ═══► VPN-Server ── HTTPS ──► WordPress
VPN und HTTPS ersetzen sich deshalb nicht. Sie arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen.
Besonders interessant: öffentliches WLAN#
Der wahrscheinlich sinnvollste VPN-Anwendungsfall für Blogger ist öffentliches oder fremdes WLAN.
Dazu zählen beispielsweise Hotel-WLANs, Hotspots in Cafés, Flughäfen oder andere frei zugängliche Netzwerke.
Ein Problem besteht bereits darin, dass wir nicht immer sicher wissen, ob ein WLAN tatsächlich zu dem Anbieter gehört, dessen Namen es trägt.
Neben einem echten:
Hotel_Guest
könnte theoretisch ein zweiter Access Point auftauchen:
Hotel_Guest_Free
Wer sich mit einem fremden Netzwerk verbindet, übergibt diesem zumindest einen Teil der Kontrolle über seinen Netzwerkzugang.
Ein VPN reduziert dieses Vertrauen, weil der Datenverkehr zunächst verschlüsselt zum VPN-Server übertragen wird.
Das macht ein öffentliches WLAN nicht automatisch sicher. Es reduziert aber die Möglichkeiten des lokalen Netzwerkbetreibers, den Internetverkehr des Geräts einzusehen oder zu beeinflussen.
Wer genauer wissen möchte, was bei der WordPress-Administration in einem fremden Netzwerk passiert, findet dazu unseren ausführlichen Artikel Brauche ich als Blogger ein VPN?
Was ein VPN einem Blogger nicht abnimmt#
Hier wird VPN-Werbung gelegentlich etwas großzügig.
Ein VPN macht weder WordPress noch das eigene Notebook automatisch sicher.
Es schützt nicht vor:
- schwachen Passwörtern
- kompromittierten WordPress-Accounts
- Sicherheitslücken in Plugins
- veralteten Themes
- Malware auf dem eigenen Rechner
- Phishing
- gefälschten Login-Seiten
- fehlenden Backups
Wer sein WordPress-Passwort auf einer Phishing-Seite eingibt, kann das problemlos über einen hervorragend verschlüsselten VPN-Tunnel tun.
Ein VPN ist deshalb eine zusätzliche Maßnahme für die Netzwerkverbindung und kein Ersatz für grundlegende IT-Sicherheit.
Was für Blogger wichtiger ist als ein VPN#
Bevor Geld für einen VPN-Dienst ausgegeben wird, sollten einige andere Dinge erledigt sein.
HTTPS#
Der komplette Blog sollte ausschließlich über HTTPS erreichbar sein. Das gilt insbesondere für /wp-admin/.
Zwei-Faktor-Authentifizierung#
Administratorenkonten sollten möglichst mit einem zweiten Faktor geschützt werden.
Ein gestohlenes Passwort reicht dann allein nicht für die Anmeldung.
Passwortmanager#
Für WordPress, Hosting, E-Mail, Domainverwaltung und andere Dienste sollten unterschiedliche und starke Passwörter verwendet werden.
Das ist mit einem Passwortmanager erheblich einfacher.
Updates#
WordPress Core, Plugins und Themes müssen aktuell gehalten werden.
Ein VPN kann eine bekannte Sicherheitslücke in einem drei Jahre alten Plugin nicht kompensieren.
Backups#
Wer mit seinem Blog Geld verdient oder viel Arbeit hineingesteckt hat, braucht eine vernünftige Backup-Strategie.
Auch hier hilft ein VPN nicht.
Wann lohnt sich ein VPN für Blogger?#
Man kann die Entscheidung erstaunlich einfach zusammenfassen.

Wer fast ausschließlich zu Hause arbeitet, hat mit HTTPS, einem abgesicherten WordPress und einem ordentlich konfigurierten eigenen Netzwerk bereits eine gute Grundlage.
Wer dagegen regelmäßig fremde Netzwerke verwendet, hat einen deutlich konkreteren Anwendungsfall für ein VPN.
Besonders sinnvoll kann es sein für:
- Reiseblogger
- digitale Nomaden
- Freelancer
- Blogger, die häufig unterwegs arbeiten
- Menschen, die regelmäßig Coworking-Spaces nutzen
- Administratoren, die unterwegs auf Server und Hosting zugreifen
Welchen VPN-Dienst kann man verwenden?#
Es gibt zahlreiche kommerzielle VPN-Anbieter.
Einer davon ist NordVPN. Der Dienst bietet Anwendungen für die gängigen Desktop- und Mobilbetriebssysteme und ermöglicht den Aufbau einer verschlüsselten VPN-Verbindung über verschiedene Serverstandorte.
Für Blogger ist dabei weniger irgendein Marketingversprechen entscheidend als die grundlegende Funktion: Das Gerät baut einen verschlüsselten Tunnel zu einem VPN-Server auf, bevor der weitere Internetverkehr stattfindet.

VPN für öffentliche und fremde Netzwerke.
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Wir haben NordVPN für diesen Artikel nicht selbst getestet. Die Erwähnung ist deshalb nicht als eigener Produkttest zu verstehen. NordVPN dient hier als Beispiel für einen kommerziellen VPN-Dienst, der für den beschriebenen Anwendungsfall eingesetzt werden kann.
VPN oder kein VPN?#
Für die meisten Blogger lässt sich die Frage anhand des Arbeitsortes beantworten:
Eigenes, vertrauenswürdiges Netzwerk: Ein VPN ist für die reine Blog-Administration normalerweise nicht notwendig.
Regelmäßig fremde oder öffentliche Netzwerke: Ein VPN kann eine sinnvolle zusätzliche Schutzschicht sein.
Unsicheres WordPress, schwache Passwörter oder fehlende Updates: Erst diese Probleme beheben. Ein VPN löst sie nicht.
Fazit#
Ein VPN gehört nicht automatisch zur Grundausstattung jedes Bloggers.
Wer zu Hause über das eigene Netzwerk arbeitet und HTTPS verwendet, braucht nicht allein wegen seines WordPress-Blogs einen kommerziellen VPN-Dienst.
Anders sieht es aus, wenn das Notebook regelmäßig mit fremden Netzwerken verbunden wird. Hotel, Café, Flughafen, Coworking-Space oder andere öffentliche WLANs sind Situationen, in denen ein zusätzlicher verschlüsselter Tunnel sinnvoll sein kann.
Die Reihenfolge sollte trotzdem stimmen:
HTTPS, starke Zugangsdaten, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Updates und Backups zuerst. VPN zusätzlich, wenn das eigene Arbeitsumfeld es sinnvoll macht.
